Wohnfläche & Recht8 Min Lesezeit

Wohnflächenberechnung nach DIN 277 oder Wohnflächenverordnung – was gilt wann?

Zwei Normen, zwei Zahlen, ein Objekt. Wer Wohnungen vermarktet, plant oder ausbaut, muss wissen, welche Grundlage wann gilt – und warum „Wohnfläche nach DIN 277“ streng genommen nicht die Wohnfläche im Sinne der WoFlV ist.

Die kurze Antwort

Auf den Punkt

Die Wohnflächenverordnung (WoFlV) regelt, welche Flächen einer Wohnung als Wohnfläche zählen – mit Anrechnungsfaktoren für Schrägen, Balkone und Zubehörräume. Sie ist seit 2004 verbindlich für preisgebundenen Wohnraum und im frei finanzierten Bereich die übliche Grundlage. DIN 277 ermittelt dagegen Grundflächen und Rauminhalte von Gebäuden – Brutto-Grundfläche, Netto-Raumfläche, Nutzungsflächen – ohne Anrechnungsfaktoren.

Für Exposé, Mietvertrag, Kaufvertrag und Bankunterlagen einer Wohnung: WoFlV. Für Gebäudekennwerte, gewerbliche Flächen und Planungsgrundlagen: DIN 277. Beide Zahlen unterscheiden sich beim selben Objekt oft um zweistellige Prozentwerte.

Wohnflächenberechnung nach DIN 277: was die Norm wirklich liefert

DIN 277 ist eine Flächen- und Rauminhaltsnorm für den Hochbau. Sie zerlegt ein Gebäude in Brutto-Grundfläche (BGF), Konstruktions-Grundfläche (KGF) und Netto-Raumfläche (NRF), diese wiederum in Nutzungs-, Technik- und Verkehrsflächen. Zwei Punkte sind für die Praxis entscheidend:

Das heißt für Sie: Eine „Wohnfläche nach DIN 277“ ist streng genommen nicht die Wohnfläche im Sinne der WoFlV, sondern eine Grund- oder Nutzungsfläche. Wer sie im Exposé als Wohnfläche ausweist, riskiert Rückfragen der Bank – und im Streitfall die Haftung.

Wohnflächenberechnung nach Wohnflächenverordnung: die Regeln in Kurzform

FlächeAnrechnung nach WoFlV
Räume mit lichter Höhe ≥ 2 mvoll
Räume/Raumteile mit 1 m bis unter 2 m lichter Höhezur Hälfte
Raumteile unter 1 m lichter Höhenicht
Balkone, Loggien, Dachgärten, Terrassenin der Regel zu einem Viertel, höchstens zur Hälfte
Unbeheizbare Wintergärten, Schwimmbäder u. ä.zur Hälfte
Zubehörräume (Keller, Waschküche, Dachboden, Heizungsraum, Garage)nicht

Die Grundfläche wird nach den lichten Maßen zwischen den Bauteilen ermittelt. Der frühere Putzabzug nach II. Berechnungsverordnung entfällt seit 2004. Für Wohnflächen, die vor dem 1. Januar 2004 nach II. BV berechnet wurden, gilt Bestandsschutz, solange baulich nichts verändert wird.

DIN 277 oder WoFlV – welche Grundlage wann?

AnlassGrundlage
Exposé, Kaufvertrag, Mietvertrag WohnungWohnflächenverordnung (WoFlV)
Bankunterlagen, Beleihung, FinanzierungWoFlV – Banken fragen fast ausnahmslos danach
Gewerbliche MietflächeDIN 277 bzw. gif-Richtlinie, je nach Vertrag
Bauantrag, Gebäudekennwerte, KostenplanungDIN 277 (BGF, NRF)
Energieausweis, GEG-NachweiseGebäudenutzfläche bzw. beheizte Fläche – weder WoFlV noch DIN 277 im engeren Sinn

Praxisregel: Nennen Sie die Berechnungsgrundlage grundsätzlich zusammen mit der Zahl. „112 m² Wohnfläche nach WoFlV“ ist belastbar. „112 m²“ ohne Grundlage ist eine Einladung zur Diskussion.

Beide Werte aus einem Aufmaß: so arbeiten Profis heute

Wer Wohnungen vermarktet, plant oder ausbaut, braucht regelmäßig beide Sichten: die Wohnfläche nach WoFlV für Exposé und Vertrag, die Flächen nach DIN 277 für Planung, Kostenschätzung oder gewerbliche Einheiten im selben Haus. Mit dem Laser-Distanzmesser heißt das: zweimal rechnen, zweimal Fehlerquellen.

Aus einem 3D-Scan entsteht ein digitaler Zwilling mit der tatsächlichen Geometrie – Schrägen, Nischen, Erker inklusive. Daraus liefert die Software die Wohnflächenberechnung nach Wohnflächenverordnung (WoFlV) auf Knopfdruck, mit Teilflächen, Faktoren und Nachweis. Die Flächenermittlung nach DIN 277 ist bei Bedarf als kostenpflichtiges Add-on buchbar – aus demselben Modell, ohne zweites Aufmaß.

Live-Test · Mensch gegen Maschine

Wie nah kommt die Software an die Expertin heran?

Ein bewohntes Dachgeschoss-Bad, 12,09 m² Grundfläche, eine Wohnflächen-Expertin und die WoFlV-Berechnung auf Knopfdruck. Schätzen oder rechnen Sie mit – die Auflösung gibt es auf Anfrage, ausschließlich für Gewerbetreibende.

Zum Live-Test: jetzt schätzen oder rechnen

Häufige Fragen

Ist DIN 277 oder die Wohnflächenverordnung für Wohnungen maßgeblich?

Für die Wohnfläche einer Wohnung ist die Wohnflächenverordnung (WoFlV) maßgeblich – verbindlich für preisgebundenen Wohnraum, im frei finanzierten Bereich die anerkannte Grundlage. DIN 277 liefert Grund- und Nutzungsflächen von Gebäuden – nicht die Wohnfläche im Sinne der WoFlV.

Wie groß ist der Unterschied zwischen DIN 277 und WoFlV?

Beim selben Objekt oft zweistellige Prozentwerte, vor allem im Dachgeschoss und bei Balkonen: DIN 277 zählt Grundflächen voll, die WoFlV rechnet Schrägen zur Hälfte oder gar nicht an und Balkone in der Regel nur zu einem Viertel.

Gilt DIN 283 noch?

Nein. DIN 283 wurde bereits 1983 zurückgezogen. Verträge, die sich noch darauf beziehen, sollten auf die WoFlV umgestellt werden.

Was gilt für Wohnflächen, die vor 2004 berechnet wurden?

Wohnflächen, die bis zum 31. Dezember 2003 nach der II. Berechnungsverordnung ermittelt wurden, behalten Bestandsschutz, solange baulich nichts verändert wird. Bei Umbau oder Neuberechnung gilt die WoFlV.

Kann ich beide Berechnungen aus einem Aufmaß bekommen?

Ja. Aus einem 3D-Scan liefert die Software die Wohnflächenberechnung nach WoFlV im Standard; die Flächenermittlung nach DIN 277 ist als kostenpflichtiges Add-on buchbar – ohne zweites Aufmaß.

Für wen ist das Angebot gedacht?

Ausschließlich für Gewerbetreibende: Immobilienmakler, Architekten und Ingenieure, Handwerksunternehmer im Ausbau und gewerbliche Bestandshalter.

Hinweis: Dieser Ratgeber erklärt die Wohnflächenverordnung (WoFlV) bewusst vereinfacht und ersetzt weder den Verordnungstext noch eine fachliche Prüfung. Für belastbare Wohnflächenangaben empfehlen wir Expertenwissen oder einen Lehrgang zur Wohnflächenberechnung. Unsere Angebote richten sich ausschließlich an Gewerbetreibende (B2B).